Medikamente in der Schwangerschaft

Darf ich Medikamente nehmen und gibt es bestimmte Krankheiten, die mir und dem Ungeborenen gefährlich werden können?


Grundsätzlich gilt, dass Sie während der Schwangerschaft keine Arzneimittel ohne die Zustimmung ihres Arztes einnehmen sollten. Besonders wenn Sie auf bestimmte Arzneimittel angewiesen sind und zusätzliche einnehmen, kann es zu Reaktionen kommen, die Ihnen normalerweise nicht schaden, das ungeborene Leben jedoch schädigen. Von daher gilt zwangsläufig, dass Sie bei Krankheiten den Arzt aufsuchen.
Natürlich gibt es unterstützende, erprobte Volksheilmittel, aber die häufig zu hörende Ansicht, ein „Naturheilmittel“ könne nicht schaden, ist falsch.
Was wirksam ist kann grundsätzlich auch schaden! Umso mehr als es in unserem Fall um die Wirkung auf das Ungeborene geht, die in vielen Fällen noch nicht einmal erforscht ist. Das gilt auch für homöopathische Arzneimittel, die von manchen (auch Ärzten) noch belächelt werden.
Anschließend einige für Schwangere besonders gravierende Krankheiten, woher sie kommen und wie sie vermieden werden können:

Lebensmittel-Infektionen und Schadstoffe
Durch Lebensmittel übertragene Infektionen und Schadstoffe können den Fötus schädigen. Für Schwangere wichtig sind die Lebensmittelinfektionen Toxoplasmose und die Listeriose; diese können vermieden werden. Bei Verdacht einer Infektion sollte auf jeden Fall ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden. Die Zufuhr von Schadstoffen kann nicht in jedem Fall vermieden, aber reduziert werden. Dazu hier einige Hinweise und Tipps.

Toxoplasmose
Die Erreger der Toxoplasmose werden hauptsächlich durch Katzen bzw. deren Kot übertragen. Vom trockenen Kot können die Erreger durch die Luft auf Menschen, Schlachttiere und Lebensmittel übertragen werden. Viele Menschen erkranken unbemerkt und ihr Körper bildet Antikörper (Abwehrstoffe des Körpers). Die Infektion verläuft meist ohne Symptome oder wie eine leichte Grippe. Künftig werden keine Toxoplasmose-Screenings mehr durchgeführt, da man davon ausgeht, dass aufgrund der guten Gesundheitsversorgung durchaus alle Kinder, auch ohne Screening, erfasst werden. Toxoplasmose betrifft heute nur noch sehr wenige Kinder und die bis anhin als wirksam erachteten Therapien während der Schwangerschaft sind wissenschaftliche nicht belegbar.

Listeriose
Die Listeriose ist eine bakterielle Erkrankung und wird vor allem durch den Verzehr von Rohmilchprodukten, z. B. von Weichkäse übertragen, seltener durch andere Lebensmittel (rohes Fleisch, Fisch, Gemüse) oder durch Kontakt mit erkrankten Tieren. Der Erreger ist ein Stäbchenbakterium (Listeria monozytogenes), das weltweit vorkommt, recht widerstandsfähig ist und sich auch bei Kühlschranktemperaturen vermehren kann. Es übersteht sogar Tiefgefrieren und Trocknen, wird aber durch Kochen, Braten, Sterilisieren und Pasteurisieren abgetötet. Besonders infektionsgefährdet sind Personen mit geschwächter Immunabwehr. Die Infektionsrate liegt bei 12 auf 100.000 Schwangere. Eine Infektion in der Frühschwangerschaft führt in der Regel zu einer Fehl- oder Frühgeburt oder intrauterinem Fruchttod. Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist die Übertragungswahrscheinlichkeit auf das Kind recht hoch und mit schwerwiegenden Folgen verbunden. Die Sterblichkeit durch Neugeborenen-Listeriose liegt bei 50%. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion oft unbemerkt oder in Form einer leichten Grippe, bei immungeschwächten Personen können septische Symptome sowie Meningitis und Encephalitis auftreten.

Salmonellose
Die Ansteckung mit Salmonellen erfolgt meist durch Speisen mit rohen Eiern oder durch rohes Geflügel. Die ersten Symptome können nach wenigen Stunden bis zu 3 Tage auftreten. Dies können plötzlich auftretende Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, wässrige, meist nicht blutige Durchfälle und Fieber sein.

Campylobacteriose
Campylobacter sind Bakterien, die durch rohes Fleisch, insbesondere Geflügel und Rohmilchprodukte übertragen werden. Betroffene weisen Symptome wie Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, hohes Fieber, heftiges Erbrechen, akute kolikartige Bauchschmerzen oder Durchfälle auf.

Aflatoxine (Schimmelpilze)
Verdorbene mit Schimmel befallene Lebensmittel umgehend wegwerfen. Schimmel nicht einfach wegschneiden – die giftigen Sporen des Schimmelpilzes durchwachsen das Lebensmittel unsichtbar. Mykotoxine, dazu gehören auch die Aflatoxine, sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen. Von den über 300 bekannten Mykotoxinen spielen Aflatoxine die Hauptrolle. Ein hohes Übertragungsrisiko für krebserregende Aflatoxine besteht bei Erdnüssen, Mais, Paranüssen, Pistazien, Gewürzen und Feigen. Ochratoxin A ist vor allem in Getreide, Getreideprodukten und Kaffee vorhanden. Für viele Mykotoxine bestehen Grenzwerte, die besonders streng für diätetische Produkte für das Säuglings- und Kleinkindesalter sind. Kenntnisse über den Gehalt in Muttermilch liegen bei Aflatoxin vor, klinische Berichte über eine Intoxikation gibt es bisher aber keine.

Quecksilber, Dioxine, dioxinähnliche Verbindungen und Blei
Quecksilber und Dioxine sind industrielle Schadstoffe, die sich in der Umwelt (Boden und Wasser) an-reichern und so in die Nahrung gelangen können. Besonders Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, weisen diese Schadstoffe in Mengen auf, die für den Fötus schädlich sein können. Ganz auf Fisch sollte jedoch nicht verzichtet werden, da Fische wertvolle essenzielle Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren) liefern und für eine optimale Entwicklung von Hirn und Nervensystem deshalb sehr wichtig sind.
Dioxine und dioxinähnliche Verbindungen kommen überall in der Umwelt vor. Hauptquellen sind Verbrennungsprozesse. Die Dioxine werden via Luft verteilt und in Böden, Gewässern und Pflanzen abgelagert. Die genannten Verbindungen sind chemisch sehr stabil, sehr gut fettlöslich und biologisch schlecht abbaubar. Sie können sich in der Nahrungskette anreichern und gelangen so in den menschlichen Körper. Sie wirken schädigend auf das Immunsystem wie auch auf das Nervensystem. Die Substanzen bleiben mehrere Jahre lang im menschlichen Organismus, und die Belastung der Mutter bis zum Zeitpunkt der Schwangerschaft und Stillzeit ist wesentlich entscheidender für das Ausgesetztsein des Fötus gegenüber Umwelteinflüssen, als diejenige während der Schwangerschaft und Stillzeit.
Blei ist allgegenwärtig. Es kommt vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln und im Trinkwasser vor. Einzelne tierische Lebensmittel, wie Wildfleisch, können aber einen besonders hohen Gehalt an Blei aufweisen. Besonders das Nervensystem des sich entwickelnden Organismus ist auf Blei empfindlich. Blei ist plazentagängig, so dass es bei erhöhter Exposition zu Intelligenz- und psychomotorischen Defiziten des Kindes kommen kann. Da Blei über Projektile in Wildfleisch (Rehe, Hirsche, Hasen und Wildschweine) und Wildfleischerzeugnisse gelangt, wird Schwangeren empfohlen, Wildfleisch höchstens zweimal pro Woche in Portionen à max. 200 g zu essen.

Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE