´╗┐ Ohne Windeln

Ohne Windeln

Andere Kulturen machen es vor und langsam h├Ąlt diese Methode auch in Deutschland Einzug. Die Rede ist davon, dass Babys von Anfang an keine Windeln brauchen. Diese Methode nennt sich Topffit und wurde aus afrikanischen und asiatischen Kulturen abgeguckt, wo viele Babys den ganzen Tag nackt sind und folglich von Geburt an keine Windeln tragen. Die Topffit-Methode soll nur funktionieren, wenn fr├╝h genug damit begonnen wird. Bis zu einem Alter von vier Monaten senden Babys Signale, wenn sie einen Harn- oder Stuhldrang versp├╝ren. Wenn auf diese Signale geachtet wird, kann das Baby schnell ├╝ber eine Sch├╝ssel, ein T├Âpfchen oder ├╝ber die Toilette gehalten werden, damit es dort sein kleines oder gro├čes Gesch├Ąft verrichten kann. Ab vier Monaten funktioniert die Methode angeblich nicht mehr, weil die Babys sich dann schon zu sehr an die Windel gew├Âhnt haben und dann keine Signale mehr aussenden.

├ťber die Methode gibt es recht unterschiedliche Meinungen. Manche M├╝tter sind davon begeistert, w├Ąhrend andere dieser Art von T├Âpfchentraining sehr skeptisch gegen├╝ber stehen. Sicher mag es sehr praktisch sein und auch funktionieren, das Baby ohne Windel aufwachsen zu lassen. Vor allem w├╝rde der M├╝llberg beachtlich schrumpfen, w├╝rden alle nur noch nach dieser Methode vorgehen. Dadurch, dass M├╝tter oder genauso andere Betreuungspersonen so auf Babys Signale achten m├╝ssen, entsteht oft eine viel engere Bindung, weil das Baby ganz anders wahrgenommen wird. Es merkt, dass es durch bestimmte Zeichen etwas bewirken kann und f├╝hlt sich gut aufgehoben, wenn diese richtig gedeutet werden.

Viele M├╝tter sind jedoch skeptisch, wie das Topffit-Programm sich im Alltag umsetzen lassen soll. Schlie├člich hat kaum jemand Zeit, sich ausschlie├člich dem Baby zu widmen und nur auf die Signale zu achten. Bevor das Baby muss, h├Ąlt es in dem inne, was es gerade tut und macht sich steif. In der Nacht werden Babys wach, kurz bevor sie m├╝ssen. Da ein Baby aber zwischen 30 und 40 Mal am Tag muss, kann das Ganze doch in ziemlichen Stress ausarten. Viele M├╝tter f├╝rchten vor allem das Schlafdefizit in der Nacht, weil sie ja st├Ąndig mit einem Ohr beim Baby sein m├╝ssen (noch mehr als sowieso schon), nur um ja nicht zu verpassen, wann es muss. Tags├╝ber und im Sommer mag das Ganze ja noch irgendwie funktionieren, wenn die Kleinen fast nackt sind. Im Winter gestaltet sich das Ganze schon schwieriger, denn bevor das Baby aus dem Schneeanzug und den ├╝brigen Sachen gesch├Ąlt ist, ist es wahrscheinlich schon zu sp├Ąt.

Es ist zweifelhaft, ob sich das Topffit-Training in unserer westlichen Welt durchsetzen wird, denn in der Regel ist es mit dem Alltag hierzulande kaum vereinbar. Viele M├╝tter gehen schon sehr fr├╝h wieder arbeiten und geben ihr Baby dann zur Betreuung in eine Krippe. Da dort viele Kinder betreut werden, kann von keiner Erziehungsperson verlangt werden, bei einem oder mehreren Kindern das Topffit-Programm durchzuf├╝hren, w├Ąhrend alle anderen Kinder Windeltr├Ąger sind. Aber auch die M├╝tter selbst, die in dem hektischen Alltag kaum zur Ruhe kommen, finden es viel bequemer, das Kind mehrmals t├Ąglich zu wickeln als es 30 bis 40 Mal abzuhalten. Dabei k├Ąme der ├╝brige Alltag schnell zu kurz, vor allem wenn das Ganze dann noch mit Haushalt, Geschwisterkindern und Job vereinbart werden soll. ├ťbrigens haben Studien gezeigt, dass Babys, die mit Topffit aufwachsen, nicht schneller trocken sind als Windelkinder.

In anderen Kulturen l├Ąsst sich das Programm wahrscheinlich deshalb so gut umsetzen, weil die Babys die meiste Zeit bei der Mutter am K├Ârper getragen werden und diese deshalb rechtzeitig reagieren kann bzw. nicht nur eine, sondern mehrere Personen sich f├╝r das Kind verantwortlich f├╝hlen und immer jemand da ist, der auf die Signale des Babys reagieren kann. Inwieweit dieser Trend sich in Deutschland durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Beitrag erstellt von J├Ârg